Stressfrei leben

Willkommen beim Blog von Isabell Herzog, Begleitende Kinesiologin im Nürnberger Land.
Fühlt Euch herzlich willkommen, Eure Erfahrungen zu schildern, Fragen zu stellen oder einfach nur zu lesen, was andere Betroffene zu berichten haben oder was es für Möglichkeiten gibt, Stress langanhaltend abzubauen!
Eure Isabell

Mittwoch, 11. Juli 2012

Zu gut für diese Welt?

Als Kind hören sie oft Sprüche wie "jetzt sei doch nicht so sensibel", "nun nimm Dir das doch nicht so zu Herzen" oder "darum braucht man doch nicht zu heulen". Und sie fragen sich, wie denn das geht, sich etwas nicht zu Herzen zu nehmen oder nicht zu heulen. Die Rede ist von so genannten hochsensiblen Menschen. Wärehnd die Umwelt mit Unverständnis reagiert, wissen Betroffene meist gar nicht, wie sie mit all dem, was auf sie eintrifft, umgehen sollen.

Hochsensible Menschen haben eine gesteigerte Wahrnehmung ihrer Umgebung. Das bezieht sich einmal auf Sinnesreize, die von Hochsensiblen oft stärker wahrgenommen werden als von ihren Mitmenschen, aber auch auf Gefühle, die sie einfach tiefer spüren - dummerweise meist nicht nur die eigenen, sondern vermehrt auch die ihrer Mitmenschen. Oft geht diese Außenwahrnehmung so weit, dass nur noch die Befindlichkeiten der Umgebung und nicht die eigenen realisiert werden.

Für Eltern und Freunde dieser Menschen ist es schwierig, damit umzugehen. Sie sind oft überfordert, spüren sie doch nicht, was in ihren Lieben vorgeht oder wie 'merkwürdig die ticken'. Und so probiert man meist die gesamte Bandbreite von Strenge bis zum Abschotten von unangenehmen Situationen und Tatsachen. Aber irgendwie scheint nichts zu funktionieren.

Wie die Hochsensiblen selbst mit ihrer Besonderheit umgehen, ist ebenso vielfältig. Viele entschließen sich, sich auf irgendeine Art abzuschotten von der Umwelt. Das geschieht beispielsweise durch Rückzug ins Einzelgängertum oder durch Errichten einer 'Mauer' um sich, dass man keinerlei Gefühle mehr rein oder raus lässt. Meist funktioniert das auch eine Weile gut, allerdings drängt irgendwann das eigentliche Sein wieder mehr in den Vordergrund. Fällt aus einem Grund, der meist im Außen der Person liegt, die Mauer oder die Rückzugsmöglichkeit wird genommen, wird der Hochsensible plötzlich mit Gefühlen und Eindrücken konfrontiert, die er in der Fülle nur schlecht kompensieren kann.

Was ist also der Ausweg? Pauschal ist das schwer zu sagen, aber was vielen Hochsensiblen gut tut, ist, sich einen Weg zu suchen, mehr bei sich zu bleiben. Dazu bedarf es oft Hilfe von Außen, von einem Coach, einem Begleitenden Kinesiologen oder erfahrenen Psychotherapeuten. Wer lernt, mehr auf sich zu achten und dabei seine Gefühle nicht zu unterdrücken, kann einen großen Schritt tun. Mittlererweile gibt es auch gute Seminare zum Thema, wo Betroffene (Hochsensible wie auch Angehörige) lernen können, diese Besonderheit nicht als Schwäche, sondern als Geschenk zu betrachten.

Einen guten Einblick bietet auch die inzwischen recht vielfältig vorhandene Fachliteratur zum Thema. So bietet zum Beispiel Rolf Sellin in seinem Buch 'Wenn die Haut zu dünn ist' einige gute Übungen, wie man bei sich bleibt. Auch bei Susan Marletta-Harts Buch 'Leben mit Hochsensibilität - Herausforderung und Gabe' geht es darum, aus einem vermeintlichen Manko ein Plus zu erkennen.

Dass es möglich ist, aus der Hochsensibilität gestärkt hervor zu treten, zeigen viele Menschen, die dies auf eindrucksvolle Art geschafft haben. Leider ist das Phänomen noch zu wenig beachtet, als dass man viel davon in den Medien mitbekommt. Das bedeutet aber nicht, dass es nur wenige Hochsensible gibt: Man schätzt, dass ca. jeder Fünfte hochsensibel ist - nur wissen sie meist nicht, was ihnen 'fehlt'. Und halten sich daher für 'schwierig' oder 'krank', was dadurch natürlich auch im Außen verstärkt so wahrgenommen wird. Es ist also noch ein bisschen Weg bis wir nicht mehr als Freaks, sondern als wertvolle Menschen wahrgenommen werden können. Also gehen wir los!

Wenn Sie Fragen zum Thema haben, schreiben Sie gern einen Kommentar zu diesem Artikel.

Bis zum nächsten Mal,
Isabell

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